Welt-Post-Karten

 

Die Realität wird nur in der Erinnerung lebendig. Marcel Proust

 

Der Versuch einer Kartographierung der inneren Eigen Welt

In der pandemischen Isolation stellte sich mir unter anderem die Frage, ob es wohl gelingen könnte, die chaotischen Speicher eigener Erkenntnisse, Anschauungen und Erinnerungen ordnend zu verorten und in ein System landschaftlicher Bilder zu übertragen. Die Landschaft bot sich mir als vieldeutige Metapher an. Sie kann sowohl subjektiver Erfahrungsraum sein als auch ein von mir unabhängiger, eigentlicher Ort, beispielsweise als Hintergrund historischer oder politischer Ereignisse. Aber auch als Projektionsfläche für düstere Vorahnungen, allerlei irrationale Hoffnungen oder romantische Sehnsüchte, wird die Landschaft seit jeher und in diesem Zusammenhang auch von mir gern bemüht.

Als Form schien mir die Weltpostkarte ein geeignetes und in diese Zeit der Separation passendes Medium zu sein.
Ich mag ihre Reproduzierbarkeit, ihr dezentes Format und die Assoziation an etwas souvenirartiges. Und nicht zuletzt die Möglichkeit ihrer günstigen Verbreitung unter Freunden spricht für sie.

Die Motive kommen sowohl aus dem eigenen Archiv als auch aus den großen medialen Ausgrabungsstätten.
Der Rohstoff sind Video Stills und Fotografien, die ich dann mehr oder weniger stark digital verändere, simplifiziere, minimiere, um sie so den gemeinten Aussagen anzupassend.

 

    Ghost-Zeichnungen

    Das sind die von mir vor ca. einem Jahr begonnenen Pinselzeichnungen mit weisser Linoldruckfarbe auf schwarzem Karton (die kleineren auf dem BLACK BLACK-Zeichenblock, sehr schwarz im Vergleich, aber leider nur 40x62cm gross). Ich habe besonders letztes Jahr viele Masken und Köpfe gezeichnet, die aus Naturmaterial zu sein scheinen, welche ich noch zeigen werde. Hier zwei Exemplare der Ghost-Serie. Der Geist ist für mich mittlerweile alles das abwesend Anwesende, also in meinem Alter so einiges.

    Ghost/Moon, 2021, 70 x 100 cm

    … hier ein frisches meiner Weltall-Bilder, die ich sozusagen umgekehrt weiß auf schwarz zeichne oder besser male, mit sehr dünnen Pinseln und Linoldruckfarbe. Die hat den Vorteil, dass sie sich immer wieder mit Wasser anlösen läßt und man einiges später verändern kann.
    Es sind nichts als Krater und Bodenerhebungen darauf zu sehen, aber eigentlich sind es Pinselbewegungen, die nur im Zusammenspiel plastisch erscheinen. Der Rückzug ins All ist natürlich spätestens seit “2001 – Odyssee im Weltraum” (1968) eine Metapher für eine menschenwürdige Existenz in lebensfeindlicher Umgebung, nachdem der sogenannte Heimatplanet unbewohnbar gemacht worden ist.